Neuseeland Reisebericht
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Neuseeland Reisebericht

Welcome to Kiwiland – dem größten Erlebnispark der Welt

Nach einer langen Reise kreuz und quer durch ein Land, das von Europa nicht weiter entfernt sein könnte, ist die Frage, die man zurück in Deutschland selbstverständlich als erstes gestellt bekommt: „Wie war es denn?“
Nun, wie lassen sich 3000 km Fahrt über zwei Inseln hinweg, die unterschiedlicher und facettenreicher nicht sein könnten, am besten in ein, zwei Sätzen zusammenfassen? „Wie in einem gigantisch großen Erlebnispark“, fällt mir schließlich als vielleicht treffendste Beschreibung ein. Hier allerdings muss dann spätestens zu einem längeren Erfahrungsbericht ausgeholt werden.

Tatsächlich ist Neuseeland so vielschichtig wie kaum ein anderes Land der Erde. Das 268.680 km² große Landareal teilt sich in so unterschiedliche Zonen wie „Inselwelten und Urwaldabenteuer“, der „Metropolis Auckland“, dem „Abenteuerland mit Vulkanlandschaften und speienden Geysiren“, dem „Herr der Ringe-Movie-Park“, dem „Südseezauber an Goldstränden“, dem „Fantasieland aus Gebirgs- und Gletscherwelten“, dem „Erlebnisdorf Queenstown“ und schließlich dem „Tierparadies im Süden“. Und in jeder dieser Zonen können Adrenalinjunkies sich zudem auf riskante Abenteuer in Luft und Wasser freuen.

Begonnen hat meine Tour durch dieses Erlebnisareal im hohen Norden, der sich vor allem durch eine Vielzahl kleiner Inseln auszeichnet, die aussehen, als wäre ein Stück Land von einem Riesen zerpflückt und überall im Meer verstreut worden. Die legendären Bay of Islands, denen schon einige Romanautoren wie der amerikanische Westernautor Zane Grey verfallen sind, laden zum ausgiebigen Baden im türkisblauen Wasser ein sowie zu einer Bootsfahrt inklusive Erkundungstour unbewohnter urwaldartiger Inselteile à la Robinson Crusoe. Während der Bootstour begleiten den Abenteurer verspielte Delfine, die vergnügt aus dem Wasser springen und sich am Bug festhalten und mitziehen lassen. So aus der Nähe sehen die großen Tiere so real und doch irgendwie unwirklich aus. An der Küste sind kleine Städtchen angesiedelt, von denen vor allem Russell pittoresk ist, ein Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Der Pier, das Rathaus und alte Schenken erscheinen im viktorianischen Stil und laden zum Verweilen ein. Jedoch nicht allzu lange, denn der Erlebnispark Neuseeland hat noch viele andere Attraktionen, die es, zumeist kostenlos, zu bestaunen gilt.

Also weiter geht die Fahrt auf schmalen, teils schlecht ausgebauten Straßen, die an sich schon dank ihrer Enge, Kurvigkeit und starken Tempobeschränkung eher an Go-Kart-Strecken als an Schnellstraßen erinnern (die „Autobahn“ hat teilweise permanente Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 30km/h!), dabei aber zur Betrachtung der grünen, mit Farnen und Palmen durchzogenen Landschaft einladen. Alle paar Kilometer gibt es zudem einen „Scenic Viewpoint“, der zumeist eine fantastische Aussicht auf die Umgebung bietet. Überdies werden des Öfteren alternative Fahrtrouten mit dem Hinweis „Tourist Route“ ausgeschildert, die über langsamere aber landschaftlich schönere Wege führen.

Nächster Halt Richtung Süden ist Auckland, die Actionmetropole, die unzählige Attraktionen bietet, die den Adrenalinspiegel in die Höhe treiben. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Bungeesprung vom Sky Tower, dem höchsten freistehenden Gebäude der südlichen Hemisphäre, oder von der Harbour Bridge? Alternativ bieten Aucklands Touristeninformationen Fallschirmsprünge, Sky Diving, Canyoning inmitten des Regenwaldes, Quadfahren und vieles mehr, was das Herz eines jeden Erlebnisparkbesuchers auf der Suche nach Adrenalin höher schlagen lässt. Außerdem bietet sich die „City of Sails“ für eine Segeltour entlang der schicken Metropolenküste und an grünen Inseln vorbei ins Meer hinaus an. Allerdings müssen die meisten dieser Attraktionen teuer extra bezahlt werden (und sind nicht etwa im Visum, der Eintrittkarte nach Neuseeland, inbegriffen).

Wer seinen Geldbeutel lieber schonen will und trotzdem spektakuläre Erlebnisse haben möchte, über die es sich zu Hause zu erzählen lohnt, sollte sich in das Zentrum der Nordinsel begeben, genauer gesagt nach Rotorua. Die Stadt glänzt mit einer spür- (und riechbaren!) Vulkanaktivität, die sich in eindrucksvoll speienden Geysiren, blubbernden Schlammbecken, Schwefelseen, aus denen düsterer Rauch aufsteigt, und von Mineralien bunt verfärbten Gestein zeigen. Ein besonderes Highlight ist der so genannte „Champagne Pool“, ein mit Wasser gefülltes, ständig dampfendes Naturbecken, das mit seinem breiten grellorangefarbenen Rand und der grünen Beckenboden für Aufsehen sorgt. Er befindet sich im „Wai-O-Tapu Thermal Wonderland“, das seinen stolzen Eintrittspreis von umgerechnet 16 Euro doch auf jeden Fall wert ist. Hier kann auch das Wahrzeichen des Landes hinter Glasfenstern bestaunt werden, der Kiwivogel, den man in der Natur nur noch äußerst selten zu sehen bekommt. Vom Kiwi-Gehege abgesehen, sind auf der ganzen Anlage kaum Abzäunungen errichtet, und wenn dann höchstens knöchelhoch (undenkbar in Deutschland!). Einige thermale Stellen kann man sogar betreten und sich das Dampfen, Blubbern und Zischen aus nächster Nähe betrachten. Wem der Eintrittspreis dennoch zu teuer sein sollte, der kann sich das Thermalspektakel auch in dem dem Stadtzentrum nahe gelegenen Kuirau-Park anschauen, der völlig umsonst betreten werden kann und mit Schlammpools, Mineralbädern und Dampfbecken aufwartet. Wem das an Aufregung nicht reicht, kann natürlich auch in Rotorua sämtliche Aktivitäten zum Thema „Fallschirmspringen und Co.“ buchen.

Wem das dampfende Vulkanspektakel am Boden nicht genug ist, der macht sich auf zum Tongariro National Park, der mit seinen drei aufragenden Vulkanriesen Mt. Tongariro, Mt. Ngauruhoe und Mt. Ruapehu eine der spektakulärsten Regionen Neuseelands bildet. Nicht umsonst hat Peter Jackson einst den Mt. Ngauruhoe als Vorlage für den legendären Schicksalsberg aus „Der Herr der Ringe“ auserkoren. Wandertouren über das vielfältige Gelände können auf eigene Faust unternommen werden, sind aber durchaus mit großen Anstrengungen verbunden und sehr wetterabhängig. Eine der beliebtesten Trecks, der sich hervorragend als Tageausflug eignet, ist der Tongariro Crossing. Die Strecke führt an alpinen Wiesen vorbei, zu mehreren Vulkankratern wie dem South Crater und dem Red Crater, hin zu den smaragdgrün schimmernden Vulkanseen mit Namen Emerald Lakes, die prächtige Farbkleckse in der braun-grauen kargen Landschaft bilden. Weiter geht es vorbei an Lavafeldern, Gletschern und Steinwäldern. Diese Vielschichtigkeit verleiht dem Park eine besondere Atmosphäre und die Kargheit einiger Streckenabschnitte lässt düstere Filmszenen aufleben. Im Winter jedoch verwandelt sich die Gebirgslandschaft in ein nettes Skigebiet, so dass ein Besuch des Tongariro National Park das ganze Jahr über lockt.

Nach den Wanderstrapazen der vergangenen Tage, die sich aber auf jeden Fall lohnen und weitere 1000 spektakuläre Fotos einbringen, ist erst mal etwas Erholung nötig. Dazu geht es weiter nach Wellington, das mit vielen Bars, einer Gondelfahrt zum Hügel hinauf und hübschen Wanderwege durch den botanischen Garten strotzt. Erholung sieht bei Höchsttemperaturen von 20°C und kalten Windböen, die einem um die Ohren pfeifen, zugegebenermaßen aber anders aus, also heißt es das Meer zu überqueren – aber keine Sorge: für die 24 km lange Strecke gibt es eine Fähre, die auch Autos transportiert (insgesamt aber aufgrund von kleineren geologisch und thermisch bedingten Umständen eine Strecke von 70 km zurücklegt). Allerdings haben sich tatsächlich seit 1962 bereits 64 Menschen in das bekanntlich mitunter gefährlichste und unvorhersagbarste Gewässer der Welt, der Cook Strait, wie die Meeresstrecke zwischen Nord- und Südinsel genannt wird, gewagt und erfolgreich das andere Ufer erreicht. Empfehlenswerter ist dennoch eindeutig die Fähre, die bei schönem Wetter einen herrlichen Ausblick aufs offene Meer und, je näher man der Südinsel kommt, auf wild bewachsene grüne Hügel bietet, die stark an Bilder aus „Jurassic Park“ erinnern. Ist auch diese Erlebnistour überstanden, gelangt man nach kurzer Autofahrt in den Abel Tasman National Park, der aufgrund seiner goldenen Strände und fantastischen bilderbuchartigen Buchten bekannt ist. Hier steigen die Temperaturen wieder auf Kurze-Hosen-Grade und es sind vor allem Wandertouren durch den üppigen Urwald entlang der Meeresküste angesagt, die einen großartigen Ausblick auf das türkisblaue Nass bieten. Außerdem locken organisierte Kayakfahrten zu Seehundkolonien und an malerischen Buchten entlang, die auch gut mit einem Wandertreck kombiniert werden können. Erfahrene können auch Kayaks leihen und selbst die Gewässer samt ihrer Bewohner erkunden. An der Nordspitze der Südinsel ließe es sich gut einige Tage aushalten, aber die Insel lockt mit weiteren Attraktionen, die auf keinen Fall verpasst werden sollten.

Westlich geht es die „Autobahn“ entlang Richtung Süden, wo bald schroffe Felsen die Kulisse bilden und sich zu atemberaubenden Gebirgsketten formieren: die „Southern Alps“. Allein die Fahrt entlang des Gebirges ist ein Erlebnis und bietet, dank zahlreicher „Scenic Viewpoints“ eine Menge Möglichkeiten für hübsche Postkartenfotos. Letztlich angehalten wird aber erst im Kern des Themenbereichs „Gebirgs- und Gletscherwelten“: beim Franz Josef- oder dem noch etwas südlicher gelegenen Fox-Gletscher. Diese beeindruckenden Fels- und Eiskonstruktionen können nicht nur vom Tal aus auf fantastischen Wanderrouten bestaunt werden, sondern auch im Rahmen einer Führung erklommen werden, samt Steigeisen und Wanderstöcke. Ich hatte mich auf meiner Tour für den größeren, aber etwas flacheren Fox-Gletscher entschieden und war überwältigt von den Eisformationen und kristallblauen Eishöhlen, die es zu besichtigen gab und sich täglich neu formieren, um dann wieder unter den wachsenden Eismassen zu verschwinden. Eine Besonderheiten, die es neben dem Aufstieg durch den Urwald, der völlig fehl platziert wirkt und direkt an die Fels- und Eiswände des Geltschers grenzt, zu bestaunen gibt, sind Papageien. Nein, dies ist kein Schreibfehler und die großen Vögel mit den orangefarbenen Flügeln sind auch kein Hirngespenst, das etwa durch die eisige dünne Luft am Gipfel des Gletschers ausgelöst wird. In Neuseeland gibt es tatsächlich einige der wenigen Bergpapageien, die so genannten Keas. Sie zeichnen sich vor allem durch Neugierde aus und einen großen Appetit auf Kekse, Sandwiches und alles, was Touristen sonst noch als Reiseproviant bei sich tragen. Allerdings verbieten Schilder die Fütterung der sonst eher scheuen Tiere.

Wer noch mehr exotische Tiere aus nächster Nähe sehen will, sollte die Reise bis an die Südspitze der Südinsel fortsetzen. Vorher geht es zunächst jedoch in das kleine Dorf Murchison, um sich im Lyell Creek als Goldsucher zu versuchen. Plötzlich fühlt man sich wie in einem Western, umgeben von unberührten Wald, am kristallklaren Bach mit dem Schippchen und einer Goldwaschpfanne in der Hand. Der gesamte Bach glitzert verführerisch, doch im Schälchen bleiben eher Staubkügelchen als richtige Klumpen hängen. Ebenfalls nicht vorbei kommt man an der Aktivitätenstadt schlechthin: Queenstown, das weltberühmt ist für sein Angebot an Bungeesprüngen aus unterschiedlichen Höhen, Paragliding, Fallschirmspringen und weitere Attraktionen, die in luftigen Höhen stattfinden  und so (zumindest kurzzeitig) spektakuläre Ausblicke auf die atemberaubende Landschaft um Queenstown bieten. Wer diese gern von oben bestaunen möchte, ohne in den nächsten Sekunden mit einem gigantischen Adrenalinkick schon wieder unten zu landen, sollte die Wandertour auf den Bob’s Peak in Angriff nehmen. Der Ausblick von oben ist unvergleichbar und ein Restaurant mit Panoramablick bietet Erfrischungsgetränke und Snacks, um die Kalorienbilanz wieder auszugleichen. Wer bereits müde Beine hat, kann auch mit der Gondel hochfahren. Weniger Schwindelfreie können sich auf Canyoning-Touren, Wildwasser- und Jetboat-Fahrten actionreich die Zeit vertreiben. Und wer es eher geruhsam mag, kann durch den schönen botanischen Garten schlendern, angeln gehen oder einfach die pittoreske Kleinstadt zu Fuß erkunden. Von Queenstown aus lassen sich überdies die grandiosen Fahrten auf dem Milford-Sound buchen. Allerdings lohnt ein Preisvergleich der Anbieter (am besten vor Ort) und die Fahrt zum Sound entlang gigantischer Wasserfälle und Gletscherzungen kann am besten im eigenen Auto bei selbst bestimmter Geschwindigkeit genossen werden (für Fotos anhalten ist ohnehin ein Muss).

Nach dieser ausgiebigen Betrachtung von Neuseelands grandioser Flora geht es aber nun zur Fauna von Kiwiland, die sich wie auf einer endlosen Safari in freier Wildbahn bestaunen lässt. Erste Anlaufstelle sind die Catlins, ein Gebiet, das mit herrlichen Wäldern und bezaubernden Meeresbuchten aufwartet, und sich vom Southland bis South Otago erstreckt. Hier sind vor allem Seelöwen anzutreffen, die sich faul den Pelz in der Sonne wärmen lassen und keine große Notiz von den Menschen um sie herum zu nehmen scheinen (und wenn doch, dann tun sie dies lautstark kund, also bloß nicht zu nahe herantreten und vor allem bei den großen Bullen gebührenden Abstand halten). Der Nugget Point ist legendär für seine atemberaubende Aussicht auf schroffe Felswände und stürmische Buchten, die bei Sonnenuntergang golden glänzen (daher der Name „Nugget“, also Goldklumpen). Auf den Klippen lassen sich vom Leuchtturm aus Seerobben erspähen und etwas weiter nördlich der Otago Peninsula trifft man auf die scheuen, aber nicht gänzlich desinteressierten Gelbaugen- und Zwergpinguine, die sich auch gerne mal auf bis auf zwei Meter an die neugierigen Touristen heranwagen. Ein hervorragender Ort, um mit diesen seltenen Wesen in Kontakt zu treten, ist Oamaru. Am Meer entlang geht es weiter Richtung Norden, nach Kaikoura, das bekannt für seine Whale Watching Touren ist. Zudem trifft man hier häufig bei Bootsauflügen auf Delfine und große Robbenkolonien stehen gerne für ein gemeinsames Schwimmabenteuer bereit. Einfach einen Tauchanzug bei einem Geschäft in der Stadt ausleihen und ab ins Wasser. Vor allem die jungen Robben sind neugierig und kommen bis auf wenige Meter an die Menschen heran. Wer sich sicherer in der Gruppe fühlt, kann sich auch einer organisierten Tour anschließen, was allerdings weitaus teurer ist. Das Erlebnis, mit einer Seerobbe in freier Wildbahn zu schwimmen, ist aufregend und einmalig und auf jeden Fall unvergesslich.

Überhaupt bietet Neuseeland Eindrücke und Erlebnisse, die der Besucher dieses Landes wohl ein Leben lang in Erinnerung behalten wird. Die unzähligen Aktivitäten, die es überall zu buchen gibt, ob in der Luft, an Land oder im Wasser, machen Neuseeland zu einem einzigen Erlebnispark, der aber auch ohne diese „Extras“ einiges zu bieten hat. Die Fahrt durch das Land ist wie eine Reise durch verschiedene Welten, die in ihrer Farbenfrohe und Unterschiedlichkeit an die Themenbereiche eines riesigen Abenteuerspielplatzes erinnern. Überall gibt es etwas zu bestaunen und zu sehen; und das Beste ist, die meisten Naturspektakel, die das Land schließlich als das auszeichnen, was es ist, sind völlig umsonst. Ein Besuch lohnt sich allemal. Für die nächste Urlaubsplanung sollte man sich also gute 4 Wochen freihalten. Und dann heißt es: Welcome to Kiwiland! Dem größten Erlebnispark der Welt.

Sina Huth