Heimweh
Heimweh – wie man die Sehnsucht nach der Familie besiegt
In der Soziologie wird Heimweh als die Sehnsucht nach verlorenen Gemeinschaften bezeichnet, die auftritt, wenn sich der Einzelne einsam in der Fremde fühlt und den Verlust der vertrauten Umgebung betrauert. Einziger Ausweg aus dieser als sehr schmerzhaft empfundenen Situation scheint die Rückkehr in die eigene Heimat, zu den Freunden und der Familie. Dass dies aber bei einem Auslandspraktikum oder –semester in Neuseeland, das sich gut 23.500 km von der Heimat entfernt befindet, als schwierig erweist, liegt auf der Hand. Kurze Abstecher nach Hause an Feiertagen wie Weihnachten oder Geburtstagen, die besonders sentimentale Stimmungen auslösen, sind finanziell kaum möglich und lohnen sich angesichts der langen Reisedauer und dem damit verbundenen mehrtägigen Jet Lag nicht. So heißt es vor allem bei einem Auslandsaufenthalt in Neuseeland: ganz oder gar nicht. Folglich muss Heimweh als ein bedeutender Faktor berücksichtigt werden, der den Neuseeland-Trip gefährden könnte. Damit dies aber nicht geschieht, werden im Folgenden einige Tipps zur Bekämpfung der heimischen Sehnsucht vorgestellt.
Tipps gegen Heimweh:
Was hilft also gegen den psychischen Schmerz, der das lang geplante Abenteuer auf der anderen Seite der Welt zu gefährden droht? Gleich zu Anfang soll festgehalten werden, dass die Vorstellungen von einer langen Trennung und einem monatelangen Nicht-mehr-Wiedersehen im Zeitalter des World Wide Web und der Kameratechnik nicht mehr adäquat sind. Selbstverständlich fehlen die Berührungen und Umarmungen aber Programme wie Skype ermöglichen es, sich nicht nur akkustisch sondern auch visuell mit der eigenen Familie in Verbindung zu setzen; das Internet vermittelt einem über das simultan übertragenen Bild die Illusion, tatsächlich noch am alten Familienleben teilhaben zu können und es scheint dann gerade so, als sitze man mit den Lieben zu Hause an einem Tisch.
Generell gilt allerdings: nicht an Altes denken, sondern Neues entdecken! Zu oft zu Hause anzurufen kann den Abschied schließlich noch erschweren, da man sich Freunde und Familie stetig vor Augen führt und nach Beendigung des Telefonats oft das Alleinsein am anderen Ende der Welt stärker wahrnimmt. Dagegen hilft nur, sich bewusst dem Neuen zu öffnen. An freien Tagen sollte die Gegend erkundet werden, auch auf eigene Faust. Auch wenn die Vorstellung von einsamen Spaziergängen viele abschrecken mag, so kann doch beruhigend gesagt werden, dass man sich zwischen den Menschenmengen in einer größeren Stadt, in der es zudem viel zu sehen und zu entdecken gibt, nicht alleine fühlen wird. Im Gegenteil. Gerade bei diesen Alleingängen trifft man an öffentlichen Plätzen oft auf Backpacker und Studenten, die ebenfalls alleine unterwegs sind und schnell ist man dann schon zu zweit. Und wer völlig verzweifelt mit einem verkehrt herum gehaltenen Stadtplan in der City steht, wird auch schnell auf nette Einheimische treffen, die gerne weiterhelfen.
Allgemein gilt also: viel unternehmen, bloß nicht zu Hause herumsitzen. Vor allem sollte man Sachen machen, die einem besonders Spaß machen. Interessiert man sich beispielsweise für Flora und Fauna? In jeder Stadt gibt es unzählige Gärten, die wunderschön gepflegt sind und für europäische Augen oft unbekannte Pflanzen zeigen. Christchurch etwa ist die „Garden City“ schlechthin, aber auch in Auckland und Wellington gibt es wunderschöne botanische Gärten unweit des Stadtzentrums. Da sich alle größeren Städte in Küstennähe befinden, ist auch ein Ausflug an den Strand mit den öffentlichen Verkehrsmitteln immer möglich und eine willkommene Ablenkung von Stadtleben und heimatlichen Sehnsüchten.
Was die Unterkunft betrifft, so sollte man sich keine Wohnung alleine suchen, sondern eine WG beziehen oder auch für die Anfangszeit ein Bett in einem Hostel in Erwägung ziehen. Dort lernt man sehr schnell Leute kennen und es lassen sich super Erfahrungen austauschen. Und eventuell sogar Freundschaften schließen, die einem über die Sehnsucht nach der Familie und den Freunden zu Hause hinweghelfen. Wer das Glück hat, in eine Wohnung mit einheimischen Kiwis zu ziehen, wird die Erfahrung machen, dass man mit diesen schnell Freundschaft schließen kann und rasch in den Freundeskreis integriert wird. Neuseeländer hören gerne Neuigkeiten aus Europa, stehen aber auch mit Rat und Tat zur Verfügung wenn es Fragen zum Leben in ihrer Heimat gibt. Anschluss zu finden dürfte hier nicht schwer fallen. Einladungen zu Barbecues oder Geburtstagsfeiern, und die kommen bei den aufgeschlossenen Neuseeländern sehr schnell, sollte man – zumindest anfangs – auf keinen Fall abschlagen, da sich hier gute Möglichkeiten bieten, weitere Kontakte zu knüpfen, die in der Folge auch gerne bereit sind, das eigene Land zu zeigen. Denn schließlich gibt es einiges zu sehen, und die Neuseeländer sind nicht wenig stolz auf ihre schönen Strände und einzigartigen Naturschönheiten. Spätestens dort, auf einer Decke am Strand mit heißen Fish and Chips in der Hand oder einem leckeren Steak auf dem Pappteller, und vielen lachenden Neuseeländern darum herum, die einen mit guten Wein, leckerem Gebäck und Bier versorgen, wird das Heimweh unverzüglich verflogen sein.
Abschließend kann also festgehalten werden: Ab und an kann natürlich mit der Familie telefoniert werden. Schließlich will diese ja auch wissen, wie es einem in der Ferne ergeht. Und wer sich im neuen Zuhause wohl fühlt, kann dies selbstverständlich auch öfter kundtun. Im Rahmen eines Studiums oder Praktikums lernt man zudem viele neue Leute kennen, mit denen es sich auf jeden Fall wegzugehen lohnt. Und wenn es nur der Sache dient, weitere Bekanntschaften zu schließen. Neuseeländer sind schließlich generell sehr aufgeschlossene und freundliche Menschen, die einem Neuankömmling aus Europa das eigene Land gerne von der besten Seite präsentieren. Somit sollte man also frohen Mutes in das Abenteuer Neuseeland starten und sich vor aufkommendem Heimweh nicht abschrecken lassen. Man sollte sich schlussendlich vor Augen halten, dass man hier einzigartige Erfahrungen sammeln kann, für die sich der weite Weg und die vergleichsweise kurze Trennungszeit von der Familie auf jeden Fall lohnen. Und inmitten von atemberaubender Landschaft und überaus freundlicher Gesellschaft wird die Sehnsucht nach der Heimat ohne Zweifel ganz schnell vorüber sein.
Sina Huth

Semester Neuseeland - Vorteile
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